Der Sozialstatus ist in der keltischen Kultur von besonders eminenter Bedeutung, das Sozialsystem ist entsprechend ausgeprägt und weist eine Menge Besonderheiten auf. Noch dazu kommt, daß sozialer Status und Ehre Hand in Hand gehen, ja das soziale Verhalten des Kelten geradezu durch Ehre und ihre Auswirkungen existiert. Generell ist die Gesellschaft in 4 Schichten eingeteilt: Die unterste Schicht sind die Unfreien, über ihnen stehen die Freien Grundbesitzer, über diesen wiederum die Adeligen und über diesen die Könige. Zusätzlich gibt es natürlich noch spezielle soziale Positionen wie den Klerus.

Unfreie

Die Unfreien sind wiederum in 4 Gruppen getrennt, die verschiedenen Status in Bezug auf persönliche Rechte und ihre Abhängigkeit von ihren ‘Herren’ aufweisen. Es handelt sich dabei um die Gruppen Mug/Cumal, Senchléithe, Bothach und Fuidir. Generell ist zu bemerken, daß Unfreie keinen eigenen Ehrenpreis aufweisen, sondern dieser ein Bruchteil dessen ihres Herrn beträgt, sie keine eigene Rechtsfähigkeit haben und ihr Herr ihnen Befehlen kann, welche Art von und in welchem Ausmaß sie Dienstleistungen für ihn zu vollbringen haben. Dafür ist er verantwortlich für ihren Unterhalt, hat sie in Rechtsangelegenheiten zu vertreten und hat für Beschädigungen, die sie anrichten oder Verbrechen, die sie begehen die Verantwortung zu tragen.
Ihr Ehrenpreis beträgt ein Viertel bzw. ein Achtel ihres Herren. ENECH: 13

Freie

Die nächste Schicht sind die Freien, oder, besser gesagt, die Grundbesitzer die über relativ wenig Land verfügen und nicht eine gewisse Anzahl Freie als Gefolgschaft gewonnen haben. Freie haben einen eigenen Ehrenpreis, der von ihrem Besitz und dem daraus resultierenden Sozialstatus abhängt, haben einen eigenen Rechtsstatus und sind für ihre eigenen Handlungen voll verantwortlich. Generell ist die Schicht der Freien die größte Bevölkerungsgruppe. Sie können einer Person Schutz gewähren.

Fer midboth
Dies ist der niedrigste Rang der Freien und beinhaltet all jene Freien, die, aus welchem Grund auch immer, kein oder nur sehr wenig Land besitzen. Dazu gehören in erster Linie alle jungen Männer, deren Vater noch lebt und die daher noch nicht eigenes Land geerbt haben. Fer midboth sind auch noch nicht voll rechtsfähig, weil sie sich eben im Normalfall noch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Vater befinden. (Davon ausgenommen sind nemed Personen)
Ebenfalls in die Gruppe der Fer midboth gehören all jene jungen Männer, die zwar schon ihren Vater beerbt haben, jedoch noch keinen Bartwuchs aufweisen. Aufgrund des fehlenden Bartwuchses gelten sie nicht als vollständig ‘erwachsen’, daher werden sie auch noch nicht zu dem Stand gerechnet, in den sie von ihrem Besitz her gehören würden.
Der Ehrenpreis eines Fer midboth beträgt 1 Sét. ENECH: 23

Ócaire
In dieser Gruppe fallen alle Kleinstgrundbesitzer, deren Grundbesitz jedoch bereits eine Größe erreicht hat, von der eine kleinere Viehherde ernährt werden kann. Ein Ócaire muß eine gewisse Menge Land und Vieh besitzen, um ein Mitglied seiner Schicht zu bleiben.
Der Ehrenpreis eines Ócaire beträgt 3 Sét. ENECH: 35
BESITZ: 7 Cumal Land + 7 Vieh


Aithech
Diese Gruppe stellt die schon etwas besser situerten Grundbesitzer dar.
Der Ehrenpreis eines Aithech beträgt 4 Sét. ENECH: 41
BESITZ: 14 Cumal Land + 10 Vieh

Bóaire
Diese Gruppe, oft als die beispielhafteste Gruppe der freien Grundbesitzer überhaupt betrachtet, stellt die Gruppe der gutsituierten Grundbesitzer dar.
Der Ehrenpreis eines Bóaire beträgt 5 Sét. ENECH: 50
BESITZ: 14 Cumal Land + 12 Vieh

Mruigfer
Diese Gruppe ist die der ‘reichen Bauern’. Sie besitzen bereits eine relativ ansehentliche Fläche Land und verfügen über eine recht große Viehherde, jedoch ist ihr Besitz noch nicht so groß, daß sie ihn sinnvollerweise zu verpachten beginnen könnten.
Der Ehrenpreis eines Mruigfer beträgt 6 Sét. ENECH: 62
BESITZ: 21 Cumal Land + 20 Vieh

Fer fothlai
Dieses ist die ‘höchste’ Gruppe von nichtadeligen freien Grundbesitzern, die Gruppe, die quasi ‘an der Schwelle’ zum Adelsstand steht. Es handelt sich dabei um besonders reiche Bauern, die so viel Besitz erworben haben, daß sie beginnen können, Teile dieses Besitzes an ärmere Bauern zu‘verpachten’. Dadurch nähern sie sich den Adeligen an, deren Adelsstand ja primär dadurch bedingt wird, daß sie über Klienten (also Pächter im weitesten Sinn) verfügen. Tatsächlich kann ein Fer fothlai zum Rang eines Aire désso aufsteigen, wenn bereits sein Großvater und sein Vater den doppelten Besitz dessen hatten, was ein Aire désso als Minimum besitzen muß, sowie auch über die Klienten geboten, die für den Rang eines Aire désso notwendig sind.
Der Ehrenpreis eines Fer fothlai beträgt 8 Sét. ENECH: 80
BESITZ: 28 Cumal Land + 24 Vieh

Adelige

Die nächsthöhere soziale Stufe ist die der Adeligen oder Feni. Wie bei den Freien handelt es sich dabei um Grundbesitzer, die sich jedoch von den ‘normalen’ Freien dadurch unterscheiden, daß sie eine gewisse Mange an Klienten, also anderen Freien, die entweder Grund und Boden oder aber Vieh oder andere mobile Güter unter gewissen Bedingungen von ihnen gepachtet haben. Natürlich ist auch die Herkunft der Person bedeutend, sodaß nur jemand, dessen Vater schon adelig war auch ein Adeliger sein kann (die einzige Ausnahme wurde unter Fer fothlai geschildert). Durch die Zugehörigkeit zum Adelsstand erwirbt die Person eine gewisse Anzahl von Privilegien, die über die normalen Rechte einer freien Person hinausgehen, von denen das wichtigste ist, daß Gerichtsverfahren von Nichtadeligengegen ihn nur unter speziellen Bedingungen eingebracht werden können, um seine Ehre vor falschen Anschuldigungen zu schützen. Diese Ausnahmestellung vor dem Gesetz wird als ‘nemed’ bezeichnet und betrifft nicht unbedingt nur die Adeligen, sondern gilt auch für andere gesellschaftliche Funktionen wie für Druiden, Barden und Juristen, aber auch für spezielle Handwerker, die an und für sich nicht dem Adelsstand zugerechnet werden. Zusätzlich kommen einige verbesserte Rechte, wie z.B. daß ein Adeliger eine gewisse Gruppe von Personen unter seinen ‘Schutz’ stellen kann, wodurch Angriffe auf diese wie Angriffe gegen ihn selbst behandelt werden, und er darf mit einem Gefolge auftreten.

Aire désso
Dies ist der niedrigste Adelsrang, und besteht sozusagen aus dem ‘kleinen Landadel’ und stellt sozusagen die ‘Masse’ der Adelsschicht dar. Angehörige dieser Schicht verfügen nur über einige wenige Klienten, ihr ’Herrschaftsbereich’ erstreckt sich bestenfalls über ein paar Bauernhöfe oder
ein Dorf, wenn überhaupt.
Der Ehrenpreis eines Aire désso beträgt 10 Sét. ENECH: 120
BESITZ: 42 Cumal Land + 40 Vieh KLIENTEN: 10 SCHUTZ: 6

Aire ardd
Diese Schicht stellt den mittleren Adel dar. Ein Angehöriger dieser Schicht verfügt bereits über eine relativ ansehnliche Zahl an Klienten, vor allem deshalb, weil sich unter seinen Klienten vermutlich bereits auch einige Angehörige der Schicht der Aire désso befinden. Sein ‘Herrschaftsbereich’ erstreckt sich dadurch vermutlich über einige Dörfer, eventuell sogar über ein
ganzes kleineres Tal (indirekt über seine Aire désso-Klienten).
Der Ehrenpreis eines Aire ardd beträgt 15 Sét. ENECH: 210
BESITZ: 42 Cumal Land + 40 Vieh KLIENTEN: 20 SCHUTZ: 7

Aire túise
Diese Gruppe stellt sozusagen den ‘niederen Hochadel’ dar. Vermutlich ist bereits ein relativ großer Prozentsatz der Klienten eines Mitglieds dieser Schicht selbst dem Adelsstand zuzurechnen. Der ‘Herrschaftsbereich’ eines Aire túise erstreckt sich vermutlich über zwei bis drei kleinere oder ein größeres Tal (indirekt, über seine adeligen Klienten). Ein Aire túise ist, wenn er sich selbst als Klient einem Herrn unterwirft, so muß dieser von königlichem Rang sein, oder zumindest gute Aussichten auf die Königswürde haben.
Der Ehrenpreis eines Aire túise beträgt 20 Sét. ENECH: 255
BESITZ: 42 Cumal Land + 40 Vieh KLIENTEN: 27 SCHUTZ: 8

Tánaise ríg
Dies ist die höchste Schicht in der Gruppe der Adeligen und besteht aus jenen Personen, die Chancen auf die Königswürde haben, im Normalfall gibt es davon pro tuath (Stamm) nur einen oder zwei, selten mehr. Sie verfügen bereits über eine ziemlich große Anzahl von Klienten, von denen der Großteil selbst adelig ist, und haben daher eine ansehnliche Anzahl von Gefolgsleuten, die sie hinter sich versammeln können. Seine ‘Herrschaft’ erstreckt sich über einen relativ großen Anteil des Stammes, in Gebiet bemessen wohl über zwei größere Täler oder mehr.
Der Ehrenpreis eines Tánaise ríg beträgt 30 Sét. ENECH: 405
BESITZ: 42 Cumal Land + 40 Vieh KLIENTEN: 45 SCHUTZ: 10

Könige

Die oberste Schicht in einer keltischen Gesellschaft stellen die Könige dar. Dabei sollte man sich unter einem keltischen König noch nicht unbedingt viel vorstellen, da es verschiedene Ränge von Königen gibt, deren niedrigster in Wahrheit kaum als mehr als ein mittelalterlicher Baron zu betrachten ist, also kaum mehr beherrscht als ein mittlerer Adeliger im Mittelalter. Wie dem auch
sei, mit der Königswürde sind in der keltischen Gesellschaft einige Rechte, jedoch auch einige‘Pflichten’ verbunden. So hat der König gewisse Rechte gegenüber dem Stamm, wie z.B. eine Versammlung abzuhalten, oder auch gegen ungehorsame Stammesmitglieder gewaltsam vorzugehen, dafür muß er aber den Stamm nach außen hin vertreten, muß immer mit einem gewissen Gefolge auftreten und einiges dergleichen mehr.
Wie gesagt gibt es einige Untergruppen in der Schicht der Könige, und zwar den Rí túaithe, den Rí túath sowie den Rí ruirech. Der aus Irland relativ bekannte Hochkönig, genannt Ard Rí, hat hingegen keinen eigenen Rechtsstatus (Er steht über dem normalen Status und Gesetz). In Folge wollen wir uns auch diese Untergruppen noch etwas genauer ansehen.

Rí túaithe
Angehörige dieser Schicht sind Herrscher über einen Stamm (túath), also einer Gruppe, die in Dalriada im Durchschnitt 5000 - 7000 Personen umfaßt, also kaum mehr, oft sogar weniger als ein Baron im Mittelalter beherrschte. Iht effektives Herrschaftsgebiet erstreckt sich wohl kaum über mehr als einige größere Täler. Im Gegensatz zu den Adeligen ist es nicht so besonders wichtig wieviele Klienten ein Rí túaithe tatsächlich hat, vom Gesetz her genügt es, wenn er einen Adeligen aus jeder Adelsschicht als Klienten hat, wenngleich ein solcher König tatsächlich wohl nur wenig Unterstützung im Stamm hat und daher effektiv kaum Macht aufweist. Tatsächlich sind wohl die meisten Adeligen im Stamm entweder direkt oder aber über ihre eigenen Klientelherren Klienten des Königs.
Der Ehrenpreis eines Rí túaithe beträgt 7 Cumal (das entspricht 42 Sét).ENECH: 910
BESITZ: 42 Cumal Land + 40 Vieh KLIENTEN: 114 SCHUTZ: bel.

Rí túath
Ein Rí túath herrscht nicht nur über einen túath sondern über mehrere davon. Das bedeutet in erster Linie, daß mindestens einer, eher aber zwei oder auch mehr seiner Klienten selbst im Stand eines Rí túaithe stehen und über einen Stamm herrschen. Damit herrscht ein derartiger Rí túath bereitsüber eine ansehnliche Menge an Personen und über ein recht großes Gebiet, sicher ein kleinerer Landstrich, vielleicht sogar mehr. In etwa wäre ein derartiger Rí túath wohl mit einem mittelalterlichen Grafen gleichzusetzen.
Der Ehrenpreis eines Rí túath beträgt 8 Cumal (entspricht 48 Sét). ENECH: 1780
BESITZ: 42 Cumal Land + 40 Vieh KLIENTEN: 215 SCHUTZ: bel.

Rí ruirech
Ein Rí ruirech ist ein König über Könige (so die Übersetzung seines Titels), er hat also einige andere Könige als Klienten. Personen dieser Schicht herrschen über eine große Zahl von Personen, in etwa vergleichbar mit dem was ein mittelalterlicher Herzog beherrscht.
Der Ehrenpreis eines Ri ruirech beträgt 14 Cumal (entspricht 84 Sét). ENECH: 3520
BESITZ: 42 Cumal Land + 40 Vieh KLIENTEN: 415 SCHUTZ: bel.

Klerus (eclais)

Fáith
Dies ist die Schicht der Seher und Weissager. Die Mitglieder dieser Schicht werden als equivalent zum Rang eines Aire désso betrachtet. Die notwendigen Bedingungen dafür sind die entsprechende Ausbildung in einer ‘Druidenschule’, eine seherische Begabung und das notwendige Enech für
diesen Sozialstatus.
Der Ehrenpreis eines Fáith beträgt 10 Sét. ENECH: 120 SCHUTZ: 6

Druide
Diese Schicht besteht aus den normalen Klerikern, den lokalen Druiden. Druiden betreuen in etwa ein Gebiet, das dem Herrschaftsbereich eines Aire túise entspricht und werden auch als Angehörige einer equivaenten Sozialschicht betrachtet. Druiden müssen eine entsprechende Ausbildung absolviert haben und das notwendige Enech für Sozialstatus 13 besitzen, um dieser Position anzugehören. Sie können, müssen aber nicht unbedingt, auch alle anderen Bedingungen für den Rang eines Aire túise erfüllen.
Der Ehrenpreis eines Druiden beträgt 20 Sét. ENECH: 255 SCHUTZ: 8

Druid
Diese Schicht ist die der Oberdruiden für einen túath. Diese Druiden sind das religiöse Oberhaupt eines Bereiches, der in etwa dem Herrschaftsgebiet eines Rí túaithe entspricht und sind daher auch sozial mit diesem gleichgesetzt und dienen normalerweise auch als hauptsächlichen Berater ihres Rí túaithe. Bedingung für diese Funktion ist neben einer druidischen Ausbildung eine entsprechende Anzahl von normalen Druiden als ‘Klienten’ im Sinne der normalen Klientelverträge sowie das für diesen Sozialstatus entsprechende Enech.
Der Ehrenpreis eines derartigen Druiden beträgt 7 Cumal. ENECH: 910
SCHUTZ: bel.

Ard druí
Angehörige dieser Schicht stellen die Führungsschicht der vorchristlichen religiösen Organisation der Kelten dar, die im Normalfall aus ihrer Mitte noch einen Obersten Leiter des Ordens wählen. Das Einflußgebiet eines Ard druí entspricht dem eines Rí ruirech, weshalb er mit ihm gleichgesetzt wird, berühmte Angehörige aus dieser Schicht kennen wir aus der irdischen Legende (z.B. Cathbad, der Druide von Conchobar Mac Nessa)
Der Ehrenpreis eines Ard druí beträgt 14 Cumal. ENECH: 3520 SCHUTZ: bel.

Filid

Die Filid stellen die Gruppe der Gelehrten im weitesten Sinn, im engeren Sinn die Gruppe der Barden, Historiker und Rechtsgelehrten dar. Wie die kleriker sind alle Mitglieder der Gruppe der Filid ‘nemed’, genießen also einen besonderen Stand vor dem Gesetz. Sie gelten jedoch generell als‘dóernemed’ (was soviel bedeutet wie abhängige Privilegierte), da sie im Normalfall als‘Angestellte’ von Königen oder Klerikern arbeiten, also nicht ganz ‘ihre eigenen Herrn’ sind. Auch bei den Filid gibt es eine ganze Reihe von Unterscheidungen, auf die wir in Folge eingehen wollen.
Nach dem frühirischen Recht hat der Poet einen Sonderstatus – er wird unter der Bezeichnung„fili“ als Zugehöriger zum „nemed“, zum Adelstand, anerkannt. Normalerweise bezeichnet das Wort „ollam“ die höchste Stufe der Filid, sein Ehrenpreis kommt dem eines Königs eines Stammes gleich. Die niedrigste Stufe wäre die des „fochloch“. (Siehe Dalriada-File)
Die Aufgabe eines Fili liegt im Bereich der Wissensbewahrung: Geschichte, Genealogie, Ortsnamenkunde und Legendenkunde sind die Wirkungsbereiche der gelehrten Filid. Von besonderer Bedeutung war jedoch ihre quasi-mystische Fähigkeit, das Enech, also die Ehre einer Person, mit ihrer Kunst zu beeinflussen.
Reine Musikanten, also Sänger, Harfen-, Flötenspieler etc., haben KEINEN „Nemed-Status“! Sie fallen unter die Kategorie Handwerker und ihr Ehrenpreis ist auch dementsprechend deutlich niedriger als der eines Fili.
Die Rechtstexte spiegeln sehr eindrucksvoll wieder, wie wichtig der Status eines Fili war, eben weil es ihnen möglich war, Preislieder zu singen/dichten – und damit das Prestige einer Person zu erhöhen, oder Satiren zu dichten – und damit das Ansehen einer Person zu schmälern. Natürlich steht dieser Glaube in einem engen Zusammenhang mit dem Ehrempfinden, das das ganze System des Rechts als einer der wichtigsten Faktoren durchdringt. Die Filid hatten einen direkten Einfluss auf die Ehre einer Person, indem sie durch ihre Lieder und Geschichten das Ansehen eines Menschen schmälern oder vergrößern konnten – der Respekt und die Furcht vor Filid, die einem in den literarischen Texten häufig begegnet, wird hierdurch deutlich besser verständlich. Natürlich befassen sich die Rechtstexte auch mit dem Missbrauch dieser quasi-mystischen Fähigkeiten. Nach dem Recht konnten Poeten mithilfe ihrer Kunst sogar Menschen (und Tiere) zu Tode bringen; ihr Gesang konnte wirken wie ein Fluch. Aus diesem Grund kennt das irische Recht Strafen für unrechtmäßige Satire – der Poet muss in solchen Fällen den Ehrenpreis der geschädigten Person zahlen. Noch öfter aber verliert der Fili durch solche kriminellen Satiren seinen Status und somit seine rechtlichen Ansprüche (zum Beispiel auf die Eskorte, die ihm zusteht oder die Krankenbehandlung, die seiner Position eigentlich entspräche).
Für Dalriada gilt: Der Poet muss den Ehrenpreis der geschädigten Person zahlen; aber er verliert auch gleichzeitig Enech durch seine Untat: Der Enechverlust kann dann zur Folge haben, dass er die mit seinem Status verbundenen Privilegien nicht mehr zur Verfügung hat, wenn der Ehrverlust stark genug ist.

Brithem
Diese Schicht ist die der professionellen Rechtsvertreter, sozusagen die Rechtsanwälte der Kelten. Ein Mann, der vor Gericht muß, tut gut daran, einen derartigen Rechtsanwalt zu engagieren, wenn er nicht in Schwierigkeiten vor Gericht geraten will, weil er seinen Fall nicht entsprechend vorlegen und unterstützen kann. Der Rechtsanwalt wird gleichgesetzt mit der Schicht der Mruigfer. Im Gegensatz zu diesen ist für einen Brtithem jedoch weder Land- noch Viehbesitz notwendig, sondern er muß, neben dem für diesen sozialen Stand notwendigen Enech über die entsprechenden Kenntnisse in weltlichem und geistlichem Recht verfügen, um einen Fall korrekt dem Gericht präsentieren zu können.
Der Ehrenpreis eines Brithem beträgt 6 Sét. ENECH: 62

Diese Schicht ist auch die der professionellen Richter der Kelten. Der Richter wird gleichgesetzt mit der Schicht der Aire ardd. Im Gegensatz zu diesen ist für einen Brtithem jedoch weder Land noch Viehbesitz notwendig, sondern er muß, neben dem für diesen sozialen Stand notwendigen Enech über die entsprechenden Kenntnisse in weltlichem und geistlichem Recht verfügen, um in jedem Fall korrekt Recht sprechen zu können.
Der Ehrenpreis eines Brithem beträgt 15 Sét. ENECH: 210 SCHUTZ: 7

Cruit
Diese Schicht ist die der Berufsmusiker, der Cruit ist speziell der Harfenspieler. Der Harfenspieler muß die Harfe beherrschen und das notwendige Enech für die seinem Stand entsprechende Stufe eines Aithech aufweisen.
Der Ehrenpreis eines Cruit beträgt 4 Sét. ENECH: 41

Fochloch
Dies ist die niedrigste Stufe unter den Barden, quasi die Stufe des Lehrburschen. Der Fochlochbeherrscht erst einige wenige der Texte und Zauber, die ein vollwertiger Barde beherrscht. Der Fochloch wird in etwa mit einem Fer Midboth gleichgesetzt, die Bedingung für diesen Rang ist jedoch die entsprechende Bardenausbildung, nicht irgendwelcher Land- oder Viehbesitz.
Der Ehrenpreis eines Fochloch beträgt 1 Sét. ENECH: 23

Mac Furmid
Dies ist die zweite Stufe der Barden, sozusagen die Gesellenschaft. Der Mac Fuirmid wird mit dem Rang eines Ócaire gleichgesetzt.
Der Ehrenpreis eines Mac Fuirmid beträgt 3 Sét. ENECH: 35

Doss
Dies ist die nächste Stufe der Barden, sozusagen die jungen Meister. Der Doss wird mit dem Rang eines Bóaire gleichgesetzt.
Der Ehrenpreis eines Doss beträgt 5 Sét. ENECH: 41

Cano
Dies ist die nächste Stufe der Barden, sozusagen die Meister. Der Cano wird mit dem Rang eines Fer fothlai gleichgesetzt.
Der Ehrenpreis eines Cano beträgt 8 Sét. ENECH: 80

Clí
Dies ist die nächste Stufe der Barden, sozusagen die erfahrenen Meister. Der Clí wird mit dem Rang eines Aire désso gleichgesetzt, Bedingung dafür sind neben dem dafür notwendigen Enech aber weder Land- noch Viehbesitz sondern die entsprechende bardische Ausbildung, d.h. die entsprechenden Zauberfertigkeiten sowie die Kenntnis einer Unmenge von klassischen Geschichten, Sagen, Gedichten und Erzählungen.
Der Ehrenpreis eines Clí beträgt 10 Sét. ENECH: 120 SCHUTZ: 6

Ánruth
Dies ist die zweithöchste Stufe der Barden, sozusagen die erfahrenen alten Meister. Der Ánruthwird mit dem Rang eines Aire túise gleichgesetzt.
Der Ehrenpreis eines Ánruth beträgt 20 Sét. ENECH: 255 SCHUTZ: 8

Ollam
Dies ist die höchste Stufe der Barden, sozusagen die Stufe der Großmeister. Der Ollam filed, wie der vollständige Titel eigentlich lautet, wird mit dem Rang eines Rí túaithe gleichgesetzt,
Der Ehrenpreis eines Ollam beträgt 7 Cumal. ENECH: 910 SCHUTZ: bel.

Óes dána (Handwerker)

Die Óes dána stellen die Gruppe der Handwerker im weitesten Sinn, im engeren SInn die Gruppe der Kunsthandwerker und Techniker dar. Wie die Kleriker sind einige Mitglieder der Gruppe derÓes dáma ‘nemed’, genießen also einen besonderen Stand vor dem Gesetz. Sie gelten jedoch generell als ‘dóernemed’ (was soviel bedeutet wie abhängige Privilegierte), da sie im Normalfall als ‘Angestellte’ von Königen oder Klerikern arbeiten, also nicht ganz ‘ihre eigenen Herrn’ sind.
Die niederen Angehörigen dieser Gruppe, wie Drechsler, Töpfer und Holzarbeiter, werden nicht einmal als dóernemed betrachtet, sondern sind ganz normale Angehörige des túath, die ihrem Stand eben ihrem Handwerk verdanken und nicht unbedingt ihrem Besitz. Bei den meisten Handwerken ist es so, daß das Handwerk in der Familie bleibt und nicht an Außenstehende verraten wird, es ist also der Sozialstatus des Handwerkers zumeist dem seiner Eltern entspricht. Auch bei den Óes dána gibt es eine ganze Reihe von Unterscheidungen, auf die wir in Folge eingehen wollen.

Criadóir
Dies ist die niedrigste Schicht der Óes dána. Es handelt sich dabei um ‘schmutzige Handwerke’ wie Kammmacherei, Töpferei oder Ledermacherei. Handwerker aus dieser Schicht werden mit dem Rang eines Fer midboth gleichgesetzt, sind also am untersten Ende der freien Menschen angesetzt. Bedingung für diesen Status ist in erster Linie natürlich die Kenntnis des entsprechenden Handwerks, gleichgültig ob die Person Land- oder Viehbesitz vorweisen kann oder nicht.
Der Ehrenpreis eines Criadóir beträgt 1 Sét. ENECH: 23

Sáer
Bei dieser Schicht handelt es sich um die niedrigen Handwerker, die aber kein ‘schmutziges Handwerk’ ausüben, sondern eben nur kein besonders angesehenes. In diese Gruppe gehören Tischler und Zimmerleute, Wagenbauer, Graveure und vergleichbare Handwerker. Der Status dieser Handwerker entspricht dem eines Ócaire, jedoch ist hier der Rang nicht von Land- oder Viehbesitz abhängig, sondern eben davon, daß die Person das entsprechende Handwerk versteht.
Der Ehrenpreis eines Sáer beträgt 3 Sét. ENECH: 35

Gobae
Diese Gruppe ist die der Schmiede, und ist bereits eine ziemlich angesehene Gruppe unter den Handwerkern. Der Rang dieser Gruppe entspricht dem eines fer fothlai, also eines Gemeinfreien, der am Sprung zum Adelsstand ist.
Der Ehrenpreis eines Gobae beträgt 8 Sét. ENECH: 80

Midach
Diese Gruppe sind die Ärzte und Heilkundigen. Es handelt sich dabei um eine sehr angesehene Gruppe von ‘Handwerkern’, die von ihrem Stand her dem eines Aire désso entsprechen.
Der Ehrenpreis eines Midach beträgt 10 Sét. ENECH: 120 SCHUTZ: 6

Suad saírsi
Bei dieser Gruppe handelt es sich um die angesehenste Gruppe von Handwerkern, die Meisterarchitekten und Baumeister (sowohl in Bezug auf Häuser, als auch Festungen und Schiffe). Mitglieder dieser Schicht werden vom Rang her mit einem Aire túise gleichgesetzt, wiederum ist natürlich neben dem entsprechenden Enech vor allem die Fertigkeit im Handwerk ausschlaggebend für diesen Rang und nicht die entsprechende Anzahl an Klienten.
Der Ehrenpreis eines Suad saírsi beträgt 20 Sét. ENECH: 255 SCHUTZ: 8

Aire coisring
Bei dieser Schicht handelt es sich um die ‘Familienoberhäupter’ jener Familien, die zu Arm sind als daß ein Familienmitglied tatsächlich den Stand eines Adeligen erreicht hätte. Im Falle von solchen Familien hat das Oberhaupt der Familie, im Normalfall der älteste, angesehenste und reichste Mann in der Familie, die rechte eines (fast)Adeligen. Er gilt als ‘nemed’, ist dafür aber verpflichtet, für seine Familie in rechtlichen Angelegenheiten einzutreten und eventuell auch Rechtsbürgschaften bis zum Wert von 5 Sét zu übernehmen. Er vertritt die Rechte der Familie nach außen hin.
Der Ehrenpreis eines Aire coisring beträgt 9 Sét.

Aire échta
Bei dieser Schicht handelt es sich um eine ‘Sonderform des Aire désso. Tatsächlich gelten für einen Aire échta all jene Bedingungen, die auch für einen Aire désso gelten, er hat jedoch erweiterte Rechte zur Gewaltanwendung gegen ungehorsame Mitglieder des eigenen Túath, als es auch seine Funktion ist, Ansprüche des túath gegenüber einem anderen Túath im Notfall mit Gewaltmitteln durchzusetzen. Der Aire échta ist also mehr oder weniger der ‘Scheriff’ im Túath und die Sondereinheit für Außeneinsätze im interesse des Stammes. Für den Aire échta gelten daher auch einige besondere Auswirkungen.
Der Ehrenpreis eines Aire échta beträgt 12 Sét. ENECH: 120 SCHUTZ: 6

Sozialstatus von Frauen

Die Frau hat (im Gegensatz zu den meisten anderen Kulturen) eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Rechten, hauptsächlich im privaten Bereich und in der Ehe, sozial gesehen steht sie aber normalerweise deutlich hinter dem Mann. Eine Frau ist in der keltischen Gesellschaft ohne Einwilligung eines (männlichen) rechtlichen Vormundes nur sehr beschränkt handlungsfähig. Ihr
sozialer Wert ergibt sich im Normalfall aus dem ihres rechtlichen Vormundes (zumeist ist dies die Hälfte seines Ehrenpreises, im Fall von Zweit- oder Nebenfrauen oft auch nur 1/4 oder weniger).
Tatsächlich gibt es jedoch eine Möglichkeit, daß eine Frau in der keltischen Gesellschaft zu einem equivalenten Status aufsteigt wie ein Mann, dieser Fall ist dann gegeben, wenn ein Mann bei seinem Tode ausschließlich weibliche Nachfahren hat, in welchem Fall diese auch sein Land und seine Klienten und damit auch seinen sozialen Status erben. Eine derartig zu einer Erbschaft gekommene Frau, auf Irisch banchomarbae genannt, hat denselben Rechtsstatus wie ein entsprechend zu seinem Erbe gekommener Mann. Eine Frau in dieser Position behält diesen Status eventuell auch, wenn sie heiratet. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß die Frau einen speziellen Status als Druid oder Barde innehat.


Inhaber: Silvia Ekker, Apollogasse 14/17, 1070 Wien Verantwortlich für den Inhalt: Caroline Geher, Peter Jungbauer